KOMPAKT

Der Ayurveda hat mehr als 1000 Heilsubstanzen wissenschaftlich klassifiziert.

Dabei wurden die Pflanzen präziser beurteilt und beschrieben als in der westlichen Heilpflanzenkunde, z.B. nach

• Geschmack (rasa)
• Eigenschaften (guṇa)
• Geschmack nach der
  Verdauung (vipāka)
• Einfluss auf den
  Stoffwechsel (vīrya)
• besondere Wirkung
  (prabhāva)
• Gesamtwirkung (karma)

AYURVEDA

Ayurvedische Kräutertherapie

Wissenschaftliche Klassifizierung von über 1000 Heilsubstanzen

In der ayurvedischen Heilmittellehre sind über 1000 Pflanzen präzise und wissenschaftlich hinsichtlich ihrer Eigenschaften und Wirkungsweisen beschrieben. Die Aneignung dieses Pflanzenwissens wurde über mehrere Jahrhunderte hinweg in einem erfahrungswissenschaftlichen Konzept immer wieder erarbeitet und in der Praxis erbrobt.

Im Ayurveda nimmt die Pharmakologie oder auf Sanskrit dravyaguṇa genannt, einen sehr wichtigen Stellenwert ein. Das Besondere an der ayurvedischen Pharmakologie besteht unter anderem darin, dass die Gesamtenergetik (bestimmte Bewertungskriterien) der Heilsubstanz zu den konstitutionellen und individuellen Unterschieden in Beziehung gesetzt wird, d.h. in Abhängigkeit von der individuellen Konstitution (also der individuellen Natur des Einzelnen) werden genau diejenigen Präparate ausgewählt, die bei einer Erkrankung die Doṣas desjenigen Patienten wieder ins Gleichgewicht bringen.

Heilsubstanzen umfassen im Ayurveda Pflanzen, tierische Produkte, Mineralien und Metalle: diese besitzen Heilkraft, die sich die ayurvedische Medizin zunutze macht.

Im Westen werden zur Therapie lediglich pflanzliche Präparate verwendet.

Die Ganzheit der Pflanze wirkt als Heilmittel

Der Mensch wird als Ganzes behandelt mit dem Ziel, ein Gleichgewicht zwischen Körper, Geist und Seele wiederherzustellen. Bezogen auf die ayurvedische Pharmakologie impliziert die vorangegangene Vorgehensweise, dass auch die Pflanze (v.a. im Westen werden nur Pflanzenpräparate verwendet) als Ganzes verabreicht wird und nicht lediglich die aktiven Substanzen eines Arzneimittels eingesetzt werden.

Alles was existiert, setzt sich aus den fünf Elementen zusammen

Die ayurvedische Heilmittelkunde basiert auf den fünf Elementen (mahābhūtās) Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum/Äther, da sich alle Pflanzen, tierische Produkte und Mineralien (dravyas) ebenso aus diesen Elementen zusammensetzen.

Abgeleitet von den Elementen (die z.B. in einer Pflanze überwiegen) kann die Energetik einer Pflanze, also

  • der Geschmack (rasa: süß, sauer, salzig, scharf, bitter, zusammenziehend)
  • die Eigenschaften (guṇa: 10 Gegensatzpaare)
  • der Geschmack nach der Verdauung (vipāka: süß, sauer, scharf)
  • der Einfluss auf den Stoffwechsel (vīrya: erhitzend, kühlend)
  • die besondere Wirkung einer Pflanze (prabhāva)
  • die Gesamtwirkung (karma)

bestimmt werden.

Die Klassifizierung von Heilsubstanzen fußt also auf dem Prinzip der Elementenlehre und zieht sich wie ein roter Faden durch alle Gebiete der ayurvedischen Pharmakologie.

Die ayurvedische Pharmakologie klassifiziert präziser als die westliche Pflanzenheilkunde

Diese Elementenlehre und auch die Bewertungskriterien (Energetik) einer Heilsubstanz nach Geschmack, Eigenschaften, Geschmack nach der Verdauung, Einfluss auf den Stoffwechsel, besondere Wirkung einer Pflanze (prabhāva) und deren Wirkung auf die einzelnen Doṣas unterscheidet sich grundlegend von der Heilpflanzenkunde des Westens, die sich meist auf die einzelnen (chemischen) Inhaltsstoffe, pharmakologische Wirkung und Wechselwirkungen einer Pflanze beschränkt.